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Geschichte des Kaltenberger Ritterturniers



Vor 22 Jahren erfüllte sich Prinz Luitpold von Bayern, Urenkel des letzten bayerischen Königs, einen königlichen Traum: Ritterspiele wollte er veranstalten, mit allem, was dazu gehört. Mit Lanzen, Schwertern, mit edlen Rössern und schimmernden Rüstungen, mit Fahnen und Fanfaren.

 

1973 fing alles an. Prinz Luitpold war Gast in einem Schloss im englischen Canterbury. Dort wurde er Zeuge eines mittelalterlichen Turniers. Die Vorführung begeisterte ihn so, dass er die englische Rittersportgruppe British Jousting Association vom Turnierplatz weg zur 800-Jahrfeier der Wittelsbacher und zur Eröffnung der Ritterschwemme in Kaltenberg engagierte.

 

Das 1292 zum ersten Mal urkundlich erwähnte Schloss auf dem bewaldeten keltischen Berg schien für diese Idee wie geschaffen. Einen würdigen Platz auf der Landkarte wollte der Prinz seinem gemütlichen Kaltenberg verschaffen, wollte erreichen, dass hier draußen auch mal etwas los ist.

Neben den 14 Haudegen aus England traten auch einheimische Rittersmänner an zum Hauen und Stechen, wenn auch zunächst auf der grünen Wiese. Die Peißenberger Bergknappen folgten dem Ruf ihres Herrn, ein Flohmarkt, ein Wettkampf der Armbrustschützen und ein Blaskapellen-Wettstreit unterhielten die ersten Schaulustigen - immerhin rund 5000 im ersten Jahr. Da wurde sogar die Verpflegung knapp. Er denke an eine Wiederholung etwa alle zwei Jahre, sagte Prinz Luitpold damals.

 

 

Die Ritterspiele entwickelten sich rasant. Sie passen gut in unsere Zeit, sagt der Prinz. Es ist ein starkes Bedürfnis da, sich mit der Vergangenheit zu befassen, aus der Plastikwelt auszubrechen. 1985 wurde die Sand-Arena mit der Königsloge gebaut, die unterhalb des Biergartens liegt. Die Truppe der wagemutigen Cascadeurs Associés aus Frankreich, die in dieser Arena reiten und fechten wie der Teufel, ist seit 1983 dabei und längst zu einer festen Institution geworden.

 

 

Heute umgibt den Turnierplatz ein Markt mit Artisten, Gauklern, Handwerkern, Spielleuten, Quacksalbern, Narren, Raubrittern und vielen anderen Künstlern. Aus dem Traum des Prinzen ist das größte Ritterturnier der Welt geworden.